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Bogenweichen:

Die zunehmende Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit und die steigenden Anforderungen an den Fahrkomfort erforderten u.a. eine ständige Verbesserung der Linienführung. Um das stetige Befahren von einem Bogengleis in ein anderes zu ermöglichen, wurden deshalb Weichen notwendig, die sich mit ihrem Stammgleis in einem Bogen krümmen ließen. Das war bei früheren Länderbahnweichen nicht möglich. Deren gesamte Zungenvorrichtungen einschließlich Zungen, Zungengelenke, Backenschienen und Verriegelungen waren nämlich auf einer Platte montiert, die sich nicht krümmen ließ. So konnten diese Weichen nur als Zwischengerade in einen Gleisbogen eingebaut werden.

Bogenweichen

Das hatte

  • mehrere Radienwechsel
  • verringerte Geschwindigkeiten
  • verschlechterte Linienführung und
  • eine Verlagerung der Gleissachse zur Folge.

Später baute man in den Weichenwerken Bogenweichen mit standardisierten Radien. Kostspielige Vorratshaltung und der oftmals erforderliche Einbau in einen Bogen mit anderen Halbmessern als in der Weichenkonstruktion vorgesehen, lohnten aber den Aufwand nicht.
Erst durch die Entwicklung von Zungenvorrichtungen ohne durchgehende Weichenplatte und von Bogenherzstücken wurde es möglich, gerade Weichen nach einem bestimmten Stamm- bzw. Zweiggleishalbmesser zu biegen. Diese Bogenweichen lassen sich problemlos an einen vorhandenen Gleisbogen anpassen.
Das Biegen einer Weiche der Grundform mit Bogenherzstück zu einer Bogenweiche kann man sich so vorstellen: Das Weichendreieck wird unter Beibehaltung der beiden wichtigsten Weichenparameter

  • Tangentenlänge t
  • Weichenwinkel a

um den Tangentenschnittpunkt (TS = WM) gedreht.

Liegen nach dem Biegen einer weiche die Grundform die Bogenmittelpunkte des Stamm- und Zweiggleises R1 und R2 auf entgegengesetzten Seiten der Weiche, so entsteht eine Außenbogenweiche (ABW), liegen die Bogenmittelpunkte auf gleicher Seite, entsteht eine Innenbogenweiche (IBW). Weichen der Grundform können so zu Bogenweichen gekrümmt werden, dass ihr Stamm- oder Zweiggleis in das bereits vorhandene Hauptgleis eingebaut wird. Das Stamm- oder Zweiggleis kann von einem durchgehenden Gleis nach außen oder nach innen abzweigen. Bei einem Abzweig nach innen entsteht immer eine Innenbogenweiche, bei einem Abzweig nach außen eine Innen- oder Außenbogenweiche. Beim Abzweig nach innen hingegen kann ja nach den geometrischen Bedingungen eine Innen- oder Außenbogenweiche entstehen. Liegt nämlich der Bogen des durchgehenden Gleises im Zweiggleis der Weiche und ist dieser größer als der ursprüngliche Zweiggleishalbmesser der Grundform, kann nach der Geometrie der Weichengrundform gleicher Tangentenlänge und gleicher Weichenwinkel) der Bogen des Stammgleises in gleicher Richtung gekrümmt sein, wie das Zweiggleis. Verläuft der Bogen des Stammgleises mit gleichem Halbmesser wie das Zweiggleis, jedoch in entgegengesetzter Krümmungsrichtung, entsteht eine symmetrische Außenbogenweiche. Aus praktischen Gründen werden Weichen der Grundform höchstens bis zur symmetrischen Außenbogenweiche gekrümmt. Sollte ein weiteres Biegen notwendig sein, so ist z.B. anstelle einer Linksweiche eine Rechtsweiche oder umgekehrt zu verwenden.

Bogenweichen

Aus geometrischen und konstruktiven Gründen dürfen beim Biegen der Weichen der Grundform bestimmte Grenzhalbmesser für das Stamm- bzw. Zweiggleis von Innenbogenweichen nicht unterschritten werden. Da Bogenweichen ohne Spurerweiterungen hergestellt werden, wurde mit Rücksicht auf die ungünstige Bogenläufigkeit bestimmter Fahrzeuge (z.B. mit großem, festen Achsstand) der Grenzhalbmesser einer Innenbogenweiche aus den Grundformen EW 49-500-1:12 und EW 49-300-1:9 mit R = 190 m festgelegt. Eine Unterschreitung dieses Grenzhalbmessers würde den Bau einer Sonderkonstruktion mit Spurerweiterung zur Folge haben. Weichen der Grundform mit geradem Herzstück bereiten beim Biegen Probleme, da der gerade Verlauf des Herzstücks einer flüssigen Fahrgeometrie entgegensteht.


Quelle:
Beschreibungen mit Genehmigung auszugsweise aus „Weichen & Kreuzungen auf Modellbahnanlagen“ vom Transpressverlag, Autor Georg Kerber und Foto-Autor Andreas Stirl

Quelle: Bilder von Thorsten Schaeffer

 
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