Bahnübergänge

Bahnübergang
© Thorsten Schaeffer

Bahnübergänge treten bei niveaugleicher Kreuzung straßengebundener Verkehrsträger mit dem Eisenbahnfahrweg auf. Der durch den Kontakt von Stahl auf Stahl entstehende geringe Widerstand erlaubt es der Eisenbahn, große Lasten mit sehr geringem Energieaufwand zu transportieren. Dieser Vorteil verwandelt sich bei niveaugleichen Kreuzungen zu einem Nachteil. Sandungsanlagen können zwar fallweise den Widerstand zwischen Rad und Schiene erhöhen und dadurch den Bremsweg reduzieren, doch mit Ausnahme von sehr geringen Geschwindigkeiten wie bei Straßenbahnen ist es im Eisenbahnwesen nicht möglich, unter gängigen Betriebsbedingungen auf Sicht zu fahren. Der notwendige Anhalteweg des Fahrzeugs ist im Regelfall größer ist als die notwendige Sichtweite des Fahrers. Innerhalb des Systems wird diese Situation durch hoch entwickelte Signal- und Zugbeeinflussungssysteme gelöst. Zur besonderen Herausforderung wird dies allerdings, wenn andere Verkehrsträger kurzfristig niveaugleich zur Eisenbahn geführt werden. Kreuzungen sind daher technisch oder nicht technisch zu sichern, um eine unfallfreie Querung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen technischen Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Die Art der notwendigen Sicherung ist sehr stark an die nationale Gesetzgebung gebunden und kann von zahlreichen Parametern beeinflusst werden.

Für Deutschland gelten folgende Kriterien [1]

  • Art der Straße
  • Verkehrsstärke
  • Geschwindigkeit der Bahnstrecke
  • Bedeutung der Bahnstrecke
  • Anzahl der Gleise

Gemäß einem Bericht der European Union Agency for Railways [2] existierten in den 28 EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2014 114.580 Eisenbahnkreuzungen, das entspricht durchschnittlich einer Eisenbahnkreuzung auf zwei Gleiskilometern. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass 30 % der Unfälle im Eisenbahnwesen im Umfeld von Bahnübergängen stattfinden. 

Aktuell wird gefordert, Strecken mit zulässigen Geschwindigkeiten (> 160 km/h) ohne niveaugleiche Bahnübergänge vorzusehen. In diesem Fall sind Kreuzungen als Über- oder Unterführung zu planen.[3]

Technische Sicherung

Andreaskreuz mit integriertem Lichtsignal
© Thorsten Schaeffer

Bei der technischen Sicherung wird dem Verkehrsteilnehmer ein herannahender Zug mitgeteilt. Technische Hilfsmittel sind:

  • Lichtzeichen oder Blinklichter
  • Lichtzeichen mit Halbschranken oder Blinklichter mit Halbschranken
  • Vollschranken mit oder ohne Lichtzeichen
  • Anrufschranken

Nicht technische Sicherung

Nicht technisch gesicherter Bahnübergang mit Übersicht
© Fabian Hansmann

Ein Bahnübergang ohne technische Sicherungen muss es dem Verkehrsteilnehmer ermöglichen, einen herannahenden Zug rechtzeitig zu sehen oder zu hören (Pfeifsignal). Bei der Sicherung wird unterschieden in:

  • Bahnübergang mit Übersicht
  • Bahnübergang mit Pfeifen
  • Bahnübergang mit Übersicht und Pfeifen
  • Umleitung von Straßen
  • Umlaufsperren
  • Postensicherung
Eindeckung der Eisenbahnkreuzung muss den Spurkanal freihalten
© Thorsten Schaeffer

Das Überqueren der Gleise muss auf Bahnübergängen für die einzelnen Verkehrsteilnehmer problemlos möglich sind. Prinzipiell sind gerade Kreuzungen anzustreben, wobei die gesetzlichen Rahmenbedingungen und technischen Regeln des Straßenbaus einzuhalten sind. Die Verkehrsstärke beeinflusst im Wesentlichen die richtige Wahl der Ausführungsart. Dabei kann zwischen klassischem Grobsplitt und Asphaltbeton, Ortbeton oder großflächigen Fertigbetonteilen unterschieden werden. Diese Ausführungen werden entweder direkt oder mit Spezialkonstruktionen auf den bestehenden Gleisrost montiert. Zu beachten ist die ungehinderte Durchgängigkeit für das Eisenbahnrad und auch die Möglichkeit der Instandhaltung des Eisenbahnfahrwegs. 


  1. [1] Freystein, H.; Muncke, M.; Schollmeier, P.: Handbuch Entwerfen von Bahnanlagen. Regelwerke, Planfeststellung, Bau, Betrieb, Instandhaltung ; Eurailpress, Hamburg, 2015.
  2. [2] European Union Agency for Railways: Railway Safety Performance in the European Union. Brüssel, 2016.
  3. [3] Matthews, V.: Bahnbau. Mit 60 Tabellen. Teubner, Wiesbaden, 2007