Stell- und Verschluss­systeme

Weichen erlauben durch ihre beweglichen Teile den unterbrechungsfreien Wechsel zwischen einzelnen Gleissträngen. Der sichere Betrieb erfordert dafür die Sicherstellung der ordnungsgemäßen und verschlossenen Lage der beweglichen Teile einer Weiche. Der Abschluss des Stellvorgangs muss zweifelsfrei feststellbar sein. Früher wurden Weichen über die Umlage des Stellhebels und das Absperren des Weichenschlosses in die gewünschte Richtung gestellt und in ihrer Endlage gesichert.

Weichenverschlüsse müssen ein stumpfes Auffahren der Weiche (bei der DB bis 160 km/h [1]) ermöglichen, ohne das Fahrzeug zum Entgleisen zu bringen. Bei beweglichen Herzstücken ist dies nicht möglich.

Heute werden Weichen in erster Linie mechanisch oder auch elektrisch ferngesteuert. Der Stellbefehl wird bei einem mechanischen Stellwerk über Ketten und Drähte an die Weiche weitergegeben. Modernere Stellwerke senden Befehle direkt an die Weiche, die Umstellung wird von vor Ort installierten elektrischen Antrieben ausgeführt.

Verschlüsse garantieren das kraftschlüssige Anliegen der Zungenschiene an der Backenschiene. So kann sichergestellt werden, dass zwischen diesen Schienen kein Platz für den Spurkranz des Rads ist. Der Radsatz kann daher nur der vorgegebenen Richtung folgen. Eine einseitige Lücke zwischen Backenschiene und Zungenschiene hätte eine mögliche Entgleisung zur Folge. Während auf der einen Seite die Zungenschiene an der Backenschiene anliegt, garantiert das Verschlusssystem auf der gegenüberliegenden Seite den nötigen Abstand für das Rad. In Österreich, der Schweiz und Deutschland werden mehrheitlich Außenverschlüsse verwendet. Über Stellgestänge und zugehörige Verschlussmodule wird die Endlage der Weiche hergestellt und diese wird über Endlagenprüfer überwacht. Erst nach zweifelsfreier Prüfung ist es möglich, die Fahrstraße für den Betrieb zu stellen und freizugeben.

Weichenstellvorrichtung
© Thorsten Schaeffer

Weichenverschluss
© Thorsten Schaeffer
Weichenantrieb einer Hochgeschwindigkeitsweiche
© Fabian Hansmann

Das Stellgestänge kann auch über hydraulische Systeme bedient werde (HYDROSTAR). Verschlüsse können entweder direkt über eine Schieberstange an den danebenliegenden Antrieb angeschlossen oder über einige Entfernung über Stellgestänge bewegt werden. In der Regel werden Mittelverschlüsse über Stellgestänge mit dem Antrieb verbunden, doch es besteht auch die Möglichkeit, jeden Verschluss einzeln anzutreiben. Vor allem bei Hochgeschwindigkeitsweichen mit sehr langen Zungen wird mit mehreren Antrieben gearbeitet. Gegen die aufgebrachten Umstellkräfte wirken unterschiedliche Widerstände. Diese setzen sich aus den vorhandenen Reibungskräften zwischen Schienenfuß und Gleitlager sowie den entstehenden Biegekräften gegen die Verformung der Schiene zusammen. Das Behandeln der Lager mit Ölen bzw. Fetten und die Reduktion des Widerstandsmoments der Schiene durch Bearbeitung des Zungenfußes trägt zur Verringerung der Wiederstände bei. Vor allem bei Hochgeschwindigkeitsweichen führt der Zugverkehr in den langen Zungen zu einer Schwingungsbelastung, die auch an die Stell- und Verschlusseinrichtungen weitergegeben werden.

Verschlüsse sichern die Zunge in ihrer Lage, wobei zwischen Hackenverschluss, Klammernverschluss (Klammernspitzenverschluss) und Klinkenverschluss unterschieden wird. 


  1. [1] Fendrich, L.; Fengler, W.: Handbuch Eisenbahninfrastruktur. Springer, Berlin, 2013.