Zweiwegefahrzeuge

Der schienengebundene Transport von Waren, Gütern und Personen wächst stetig. Damit einhergehend steigt der Verschleiß der Infrastruktur. Dies resultiert in zunehmenden Instandhaltungsarbeiten, kürzeren Reparaturintervallen und geringen Gleisverfügbarkeiten für Wartungsarbeiten. Aus diesen Gründen werden Zweiwegefahrzeuge genutzt, die das Wartungspersonal unterstützen, dessen Effizienz vor Ort weiter verbessern und Störungen schnellstmöglich und kosteneffizient beheben können. Zudem finden Zweiwegefahrzeuge auch bei Neubautätigkeiten in größerem Umfang Anwendung, z. B. bei der Montage von Oberleitungen.

Zweiwegefahrzeuge bieten aufgrund ihrer hohen Flexibilität einen wesentlichen Vorteil im Vergleich zu schienengebundenen Einsatzfahrzeugen:

Sie können und dürfen sowohl auf Straßen als auch auf Eisenbahnschienen bewegt werden. Das Fahrzeug nutzt dabei die standardmäßige Gummibereifung, um auf der Straße zu fahren, und verfügt darüber hinaus über eine spezielle Schienenfahreinrichtung. Dabei wird das Fahrzeug angehoben und steht auf den Schienenrädern, die zudem den Antrieb und das Bremsen steuern.

Der Antrieb dieser Schienenräder erfolgt im Wesentlichen über drei Haupttechnologien:

  • Reibradantrieb – Die Gummireifen treiben eine Stahlwelle an, die mit den Schienenrädern verbunden ist.
  • Hydrostatischer Antrieb – Hydraulikmotoren treiben eine Stahlwelle an, die mit den Schienenrädern verbunden ist.
  • Gummiradantrieb – Die Gummireifen des Fahrzeugs fahren und bremsen auf den Schienen, die Schienenräder dienen nur zur Führung.

Die Europäische Norm EN 15746-1 ordnet die Zweiwegemaschinen und die zugehörige Ausrüstung wegen ihrer vornehmlichen Anwendung zur Instandhaltung von Bahninfrastruktur den Bahnanwendungen Oberbau zu.

Im Folgenden liegt der Fokus auf selbstangetriebenen Zweiwegefahrzeugen, die auf Gleisen fahren und arbeiten.

Von der Straße auf das Gleis

Zweiwegefahrzeuge sollen die Bahngleise möglichst nur kurz blockieren, um den Bahnverkehr minimal zu stören.

Zum Ein- und Ausgleisen werden Eingleisstellen benötigt, wobei zumeist Bahnübergänge genutzt werden. Bei modernen Fahrzeugen reicht hierzu ein Bahnübergang mit einer Breite zwischen 3 und 5 m aus, um den Prozess innerhalb von nur 2 Minuten auszuführen.

Nachfolgend ist der Eingleisungsprozess im Einzelnen dargestellt:

Während des Eingleisens wird das Zweiwegefahrzeug rückwärts zur Schiene bewegt, sodass sich das hintere Ende des Drehgestells über der Schiene befindet.

© Goldschmidt

1. Während des Eingleisens wird das Zweiwegefahrzeug rückwärts zur Schiene bewegt, sodass sich das hintere Ende des Drehgestells über der Schiene befindet.

Das Drehgestell wird hydraulisch abgesenkt und das hintere Ende des Fahrzeugs hebt von der Straße ab.

© Goldschmidt

2. Das Drehgestell wird hydraulisch abgesenkt und das hintere Ende des Fahrzeugs hebt von der Straße ab.

3.	Die vorderen Straßenräder des Fahrzeugs sind so ausgerichtet, dass sie der Bewegung des Fahrzeugs folgen. Während das hintere Drehgestell rückwärts gefahren wird, zieht sich das Fahrzeug auf die Schiene. So wird es für das Fahrzeug möglich, einer Kurvenlinie zu folgen, ohne dabei den Platz auf dem benachbarten Gleis einzuschränken

© Goldschmidt

3. Die vorderen Straßenräder des Fahrzeugs sind so ausgerichtet, dass sie der Bewegung des Fahrzeugs folgen. Während das hintere Drehgestell rückwärts gefahren wird, zieht sich das Fahrzeug auf die Schiene. So wird es für das Fahrzeug möglich, einer Kurvenlinie zu folgen, ohne dabei den Platz auf dem benachbarten Gleis einzuschränken.

4.	Wenn sich das Fahrzeug rückwärts in die richtige Position auf der Schiene bewegt hat, befinden sich die vorderen Schienenräder direkt über der Schiene. Die vorderen Schienenräder werden jetzt hydraulisch auf das Gleis abgesenkt. Die Vorderreifen werden vom Bahnübergang abgehoben.

© Goldschmidt

4. Wenn sich das Fahrzeug rückwärts in die richtige Position auf der Schiene bewegt hat, befinden sich die vorderen Schienenräder direkt über der Schiene. Die vorderen Schienenräder werden jetzt hydraulisch auf das Gleis abgesenkt. Die Vorderreifen werden vom Bahnübergang abgehoben.

5.	Das Fahrzeug befindet sich jetzt in der exakten Position für die Inbetrieb-nahme.

© Goldschmidt

5. Das Fahrzeug befindet sich jetzt in der exakten Position für die Inbetriebnahme.

Einsatzbereiche

Für Zweiwegefahrzeuge gibt es eine Vielzahl von Anwendungsfällen.

Typische Beispiele, die in Vollbahnen und Nahverkehrssystemen zum Einsatz kommen können, sind:

  • Oberleitungsmontage- und -inspektionsfahrzeuge
  • Wartungs-, Brücken- und Tunnelfahrzeuge (z. B. für Inspektionen)
  • Multifunktionsfahrzeuge mit verschiedenen Aufbauten (Modulen)
  • Schweißfahrzeuge
  • Kran- und Bergungsfahrzeuge

Ausrüstungskriterien

Bei der Konzipierung von Zweiwegefahrzeugen liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Lichtraumprofil. Dabei muss sichergestellt werden, dass bewegliche Teile nicht in das benachbarte Gleis ragen oder mit der Oberleitung in Berührung kommen. Zudem wird gesonderter Wert auf Stand-, Entgleisungs- und Fahrsicherheit gelegt. Darüber hinaus müssen Signallichter und die Möglichkeit akustischer Warnsignale für beide Fahrrichtungen gegeben sein.

Zweiwegefahrzeuge können schnell zum Einsatzort auf den Straßen bewegt werden. Die maximale Straßenfahrgeschwindigkeit ist dabei von nationalen Regularien und dem Fahrzeugmodell abhängig. Als Richtwert für die Fahrgeschwindigkeit sind hier 80 km/h realistisch, zu beachten sind allerdings nationale Bestimmungen. Damit kann so nah wie möglich auf der Straße an die Baustelle herangefahren werden. Die Transportzeit auf der Schiene wird so auf ein Minimum reduziert, das Arbeiten im Gleis wird effektiver. Des Weiteren können die Fahrzeuge auf der Schiene eine Geschwindigkeit bis zu 100 km/h erreichen und sind somit auch auf der Schiene schnell zu bewegen. Allerdings sind die Regularien hier von Land zu Land unterschiedlich.

Neben dieser Flexibilität gibt es auch die Möglichkeit, Zweiwegefahrzeuge mit diversen Modulen ganz nach den jeweiligen Einsatzzwecken auszurüsten. Hier sind beispielsweise Hebebühnen, Generatoren, Schneefräsen oder Freischneider zu nennen, aber viele weitere Aufbauten sind denkbar. Die bedarfsgerechte Ausstattung macht das Zweiwegefahrzeug zu einem multifunktionalen Fahrzeug, das in der Lage ist, neben dem Rangieren schwerer Lasten sämtliche Reparatur-, Wartungs-, Instandhaltungs- oder Rettungsarbeiten zu verrichten.

Die Entwicklung von Zweiwegefahrzeugen im Zeitraffer

Zweiwegefahrzeug im Jahr 1940
Zweiwegefahrzeug im Jahr 1940
© Goldschmidt
Zweiwegefahrzeug im Jahr 1970
Zweiwegefahrzeug im Jahr 1970
© Goldschmidt
KRT 65 – weltweit größter selbstfahrender Zweiwegeanhänger
KRT 65 – weltweit größter selbstfahrender Zweiwegeanhänger
© Goldschmidt
Zweiwegefahrzeug nach der Jahrtausendwende
Zweiwegefahrzeug nach der Jahrtausendwende
© Goldschmidt

In freundlicher Zusammenarbeit mit Goldschmidt