Schotter­be­wirt­schaffung

USP 2000 mit kleiner Siloeinheit
© Plasser & Theurer

Der für ein funktionierendes Streckennetz notwendige Schotter ist ein wichtiges Investitionsgut. Enorme Anschaffungskosten der beachtlichen Schottermengen machen einen wirtschaftlichen Umgang mit dem Rohstoff erforderlich. Die sinnvolle Schotterverteilung im gesamten Gleisnetz stellt ein großes Einsparungspotential dar. Einerseits liegt auf vielen Streckenabschnitten im Verhältnis zum Regelprofil zu viel Schotter, der aufgenommen werden kann. Andererseits erfordert jedoch die Einbringung von Neuschotter an Stellen mit Schottermangel zusätzliche Kosten. Zudem verbessert ein gleichmäßiges Schotterbett die Haltbarkeit der Gleisgeometrie, während unregelmäßige Einschotterung das Risiko von Verwerfungen erhöht. Zuviel Schotter behindert außerdem eine einwandfreie Drainage. Auch ein Gleisumbau von Holz- auf Betonschwellen kann einen Schotterüberschuss erzeugen. Herkömmliche Methoden der Schottermanipulation, also Verladen, Transportieren, Verteilen, Wiederaufnehmen und Rückführen von überschüssigem Schotter, benötigen viel Zeit, Personal und Betriebsmittel. Ein wirtschaftliches Management ist auf diese Weise nicht möglich.

Die Materialförder- und Siloeinheiten MFS:

Material Förder- und Siloeinheit
© Plasser&Theurer

Bei einer Reihe von Arbeiten am Gleis, wie zum Beispiel bei der Bettungsreinigung, fallen eine beachtliche Menge Abraum an. Je nach Verschmutzungsgrad und Räumtiefe sind das bis zu 0,8 m³ pro Meter Gleis, oft auch mehr. Während früher das Material seitlich vom Bahnkörper abgelagert wurde, muss heute der Aushub zur Deponie transportiert werden. In manchen Situationen, wie zum Beispiel im Bahnhofsbereich, im Tunnel oder in Einschnitten, ist eine Abraumverladung zwingend notwendig.   

In anderen Fällen, wie bei der Untergrundsanierung, werden große Mengen an Neumaterial benötigt, welche der Maschine in ausreichender Menge richtig dosiert zugeführt werden müssen.    

Forderungen an ein Materialverladesystem:

  • Lade-, Förder-, Speicher- und Entladevorgänge weitgehend automatisiert
  • Problemlose Anpassung an die jeweiligen Baustellen- und
    Einsatzbedingungen
  • Einfache Bedienbarkeit bei möglichst geringem Personalaufwand
  • Autarke Energieversorgung
  • Positionierung ausschließlich im Baugleis

Daraus resultierende Einsparungen bei der Baustellenabwicklung

Bild mit Genehmigung von Plasser&Theurer
MFS mit Bodenförderband
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Bild mit Genehmigung von Plasser&Theurer
MFS mit schwenkbarem Förderband
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Das flexible Grundkonzept dieser Maschinen ermöglicht eine konstruktive Anpassung an unterschiedlichste Einsatzbedingungen, sowohl für die Abraumverladung als auch die Zuführung von Neumaterial. MFS-Einheiten gibt es mit einem Fassungsraum bis 100 m³ , mit unterschiedlicher Achsenanzahl und mit schwenkbarem oder starrem Stirnförderband.  

MFS sind offene Bordwagen in Regelfahrzeugbauweise mit einem Bodengurt im Silo und einem Übergabeförderband an der Stirnseite der Einheit. Der Bodengurt gewährleistet ein kontinuierliches Füllen des Silos, ermöglicht aber auch das Durchfördern des Materials. Das Übergabeband entlädt das Schüttgut in den nächsten Silo oder an geeigneter Stelle. Es ist dafür um jeweils 45 Grad nach links und rechts ausschwenkbar. Kippwarnung und Kippschutz verhindern ein Kippen des Fahrzeuges beim Entladen. Ein geschützter Bedienplatz mit Steuer- und Kontrollinstrumenten für die Förderbänder gehört zum Standard.

Die Maschinen können in beliebiger Anzahl zu Materialzügen zusammengestellt werden. MFS-Einheiten mit starrem Übergabeförderband dienen im Verband als Teil der Förderbandstrasse und/oder als Speicher. Die Entleerung erfolgt über eine im Verband befindliche MFS-Einheit mit Schwenkförderband.

Die Maschinen eignen sich für jede Art von Schüttgut. Die Förderbänder werden hydraulisch angetrieben, die Energie dazu liefert ein Dieselmotor.

Die Arbeitsweise:

Heute werden vielfach Bettungsreinigungsmaschinen mit Neuschotterzuführung eingesetzt, wie zum Beispiel die RM 900-Serie oder die RM 95-700 von Plasser & Theurer. Hierbei werden MFS-Einheiten sowohl für die Abraumverladung als auch für die Neuschotterzuführung verwendet. Ein typischer Einsatz einer solchen Maschinenkombination wird im Folgenden beschrieben.

  • Die MFS-Einheiten für die Abraumverladung werden von der Reinigungsmaschine geschoben, diejenigen mit dem Neuschotter gezogen.
  • Übergabe des Abraums von der Reinigungsmaschine an die erste MFS-Einheit.
  • Durchfördern des Materials bis zur vordersten Einheit.
  • Kontinuierliches Beladen des Abraumzuges von vorne nach hinten.
  • Ist die vordere Hälfte des Abraumzuges angefüllt, werden diese MFS-Einheiten abgekuppelt und zur Entladestelle gebracht.
  • Entladen des Abraums und Rückfahrt zur Baustelle.
  • In der Zwischenzeit wurden die bei der RM verbliebenen Einheiten beladen.
  • Ankuppeln der entleerten MFS-Einheiten und Umladen des Materials in die vordere Hälfte des Abraumzuges.
  • Nach deren neuerlicher Beladung beginnt der Vorgang von Neuem.
  • Der Neuschotter wird von den hinten angereihten MFS-Einheiten der RM zugeführt, wobei hier die Entladung kontinuierlich von hinten nach vorne erfolgt.

Auf diese Weise kann die Reinigungsmaschine ohne Unterbrechung arbeiten. Die Anzahl der eingesetzten MFS-Einheiten für den Abraum richtet sich unter anderem nach der zu erwartenden Materialmenge, der Wegstrecke zum Entladepunkt und der Arbeitsgeschwindigkeit der RM. Der Bedarf an MFS-Einheiten für die Neuschotterzuführung richtet sich nach dem für die jeweilige Baustellensituation errechneten Neuschotterbedarf.

Plasser&Theurer
Be- und Entladesystem für die Abraumbeseitigung und den Schottereinbau
© Plasser & Theurer

Einschottern mit MFS:

Die Materialförder- und Siloeinheiten vom Typ MFS eignen sich auch hervorragend zum Einschottern:

  • Rasches Beladen mit Schottermaterial
  • Exakte Dosierung und Ablage des Schotters
  • Direktes Beschicken von Bettungsreinigungsmaschinen oder anderen Verteilmaschinen
  • Kurzzeitige Zwischenlagerung von ausgehobenem Schotter bei Gleis- und Weichenumbauarbeiten

Die Österreichischen Bundesbahnen setzen MFS-Einheiten bei Weichenumbauten ein und erzielen dadurch erhebliche Zeiteinsparungen bei der Baustellenabwicklung. Vom Nachbargleis aus wird gereinigter Schotter in die Baulücke eingebracht und anschließend verdichtet. Darüber hinaus verhindert man mit dieser Methode, dass, wie bisher üblich, LKW beim Schottereinbringen die Oberfläche der Planumsschutzschicht zerstören.

Aber auch die Einschotterung des Gleises mit MFS-Einheiten ist möglich. Dabei ist die vorderste Einheit mit Übergabeförderband und Verteilvorrichtungen ausgestattet. Durch Verlängerung eines derartigen Schotterzuges mit zusätzlichen MFS kann die Kapazität problemlos an die Baustellensituation angepasst werden.